Nach turbulenten Monaten wurden Ende Februar 2012 Details für einen Schuldenschnitt bekannt. Die privaten Gläubiger sollen nominal auf rund 53,5 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Griechenland verzichten. Aufgrund der Ausgestaltung ist de facto aber von einem deutlich höheren Verlust auszugehen.
Im Detail bekamen die Gläubiger einen Umtausch angeboten. Pro 1.000 Euro Nennwert sollten Anleger eine neue griechische Anleihe bekommen. Der Nennwert dieser bis zum Jahr 2042 laufenden Anleihe beträgt 315 Euro. Zusätzlich sollten die betroffenen Gläubiger eine zweite Anleihe im Wert von 150 Euro vom sogenannten EFSF-Rettungsfonds erhalten. Der Gesamtwert beträgt daher 465 Euro, so dass 535 Euro oder 53,5 Prozent abgeschrieben werden müssen.
Bis zum Stichtag im März 2012 mussten sich die Anleger, die Anleihen nach griechischen Recht erworben hatten, entscheiden, ob sie auf dieses Umtauschangebot eingehen wollten. Die Zustimmungsquote für dieses Angebot betrug 85,8 Prozent. Damit wird der Großteil der Anleihen freiwillig umgetauscht. Dies bedeutet umgekehrt aber auch, dass nicht alle Gläubiger zu diesem Umtausch bereit sind.
Griechenland hat ein Gesetz verabschiedet, das einen Zwangsumtausch grundsätzlich ermöglicht. Ob der Staat hiervon bei den nicht tauschwilligen Gläubigern tatsächlich Gebrauch machen wird, entschiedet sich wohl nach den griechischen Wahlen im April 2012. Es ist kein unrealistisches Szenario, dass der griechische Staat von dieser Möglichkeit Gebrauch macht.
Im Endeffekt würde der griechische Staat, falls er einen Zwangsumtausch durchführt, gegenüber diesen Gläubigern vertragsbrüchig. Der guten Form halber macht er es per Gesetz.
Die folgenden Ausführungen setzen voraus, dass der Umtausch wie angekündigt umgesetzt wird. Ob dies eine dauerhafte Lösung ist oder ob damit nur ein Zeitgewinn erkauft wird, kann man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Viele Verbraucher sind aufgrund der aktuellen Entwicklung verunsichert und fragen sich, was jetzt konkret passiert und wie sich der Schuldenschnitt auf ihr angespartes Geld auswirken wird.
Manche Anleger haben Geld in griechischen Wertpapieren oder bei griechischen Banken angelegt. Für sie stellen sich die folgenden Fragen:
1. Welche Verluste drohen bei griechischen Staatsanleihen?
2. Wie wirkt sich der Schuldenschnitt auf Gläubiger und Aktionäre griechischer Banken aus?
3. Sind Gläubiger und Aktionäre griechischer Unternehmen ebenfalls betroffen?
Häufig werden auch Befürchtungen geäußert, dass auch in Deutschland schlimme Folgen zu erwarten seien:
4. Kann der Schuldenschnitt auch deutsche Banken ins Verderben reißen?
5. Droht jetzt der deutschen Wirtschaft ein Einbruch?
6. Kommen neue Verpflichtungen auf den deutschen Steuerzahler zu?
7. Was bedeutet der Schuldenschnitt für mich als Anleger ganz konkret?
Was die griechische Misere für die Euro-Gemeinschaft und den Euro als Währung bedeutet, ist hier nachzulesen:
8. Ist auch bei anderen Euro-Staaten ein solcher Schuldenschnitt denkbar?
1.) Welche Verluste drohen bei griechischen Staatsanleihen?
Auch wenn der griechische Staat größtenteils bei institutionellen Anlegern verschuldet ist, hat doch der eine oder andere Privatanleger eine griechische Staatsanleihe direkt erworben.
Wer dem Umtausch zugestimmt hat, hat bereits jetzt einen nominalen Verlust in Höhe von 53,5 Prozent in Kauf genommen. Aufgrund der geringen Verzinsung der neuen langläufigen Anleihe können die realen Verluste noch höher sein. Die neue griechische Anleihe sieht eine Verzinsung in Höhe von 2 Prozent bis 2015, von 3 Prozent ab 2016 und von 4,3 Prozent ab 2022 vor. Ob dieses Konstrukt für einen dauerhaften Inflationsausgleich ausreicht, muss abgewartet werden.
Wer dem Umtausch nicht zugestimmt hat, läuft Gefahr, dass er die gleichen Verluste durch einen möglichen Zwangsumtausch erleidet. Hier müssen Anleger abwarten, ob der griechische Staat von der gesetzlich geschaffenen Möglichkeit eines Zwangsumtausches Gebrauch macht.
Es wird derzeit kontrovers diskutiert, ob im Falle des zwangsweisen Umtausches Schadensersatzansprüche gegen Griechenland geltend gemacht werden können. Im Einzelfall sind auch Ansprüche gegen den Anlageberater denkbar, der zu Investition in diese Papiere geraten hat.
Fazit für Verbraucher:
Ob der durch den Umtausch erlittene Verlust von einem Dritten auszugleichen ist, kann nur nach fachkundiger Beratung im Einzelfall entschieden werden.
Nach oben
2.) Wie wirkt sich der Schuldenschnitt auf Gläubiger und Aktionäre griechischer Banken aus?
Mit diesem Umtausch verzichten griechische Banken auf rund die Hälfte Ihrer Ansprüche gegenüber dem Staat. Unbekannt ist, wie hoch der Bestand griechischer Staatsanleihen bei den dortigen Instituten ist. Es ist denkbar, dass in der Folge einige Banken Probleme bekommen.
Sollte eine griechische Bank Insolvenz anmelden müssen, greift zunächst die griechische Einlagensicherung - schließlich ist der Staat nicht pleite. Bis zu den Höchstgrenzen sind Einlagen der Anleger daher geschützt.
Deutsche Sparer sind hier so gut wie nicht betroffen. Es ist nicht davon auszugehen, dass sie nennenswerte Beträge bei griechischen Banken angelegt haben. Deswegen stehen in erster Linie Anleihen und Aktien griechischer Geldinstitute im Fokus.
Fazit für Verbraucher:
Prüfen Sie, ob Sie Anleihen oder Aktien einer griechischen Bank gekauft haben oder ob Sie Fonds erworben haben, in denen Wertpapiere griechischer Banken enthalten sind. Falls nicht, hat eine mögliche Insolvenz griechischer Banken keine direkten Auswirkungen auf Sie.
Nach oben
3.) Sind Gläubiger und Aktionäre griechischer Unternehmen ebenfalls betroffen?
Der Schuldenschnitt der Gläubiger wirkt sich auch auf Unternehmen aus, die direkt griechische Staatsanleihen erworben haben. Diese sind von Abschreibungen genauso betroffen wie andere Gläubiger auch.
Zusätzlich könnte der Schuldenschnitt indirekte Folgen haben. So könnten Banken künftig Kredite restriktiver vergeben - schließlich sind sie wegen des Forderungsverzichtes im Hinblick auf die eigene Kapitalausstattung vorsichtiger. Fehlen aber Kredite, können Investitionen nicht getätigt werden. Dies wiederum schlägt sich in den Geschäftsergebnissen nieder.
Sollte ein griechisches Unternehmen Insolvenz anmelden müssen, hat dies folgende Auswirkungen: Wer Aktien oder Anleihen eines insolventen griechischen Unternehmens besitzt, muss damit rechnen, dass das Geld - zumindest teilweise - verloren ist. Es ist unwahrscheinlich, dass viele hiesige Anleger direkt betroffen sind.
Fazit für Verbraucher:
Prüfen Sie, ob Sie Anleihen oder Aktien griechischer Unternehmen gekauft haben oder ob Sie Fonds erworben haben, in denen Wertpapiere griechischer Unternehmen enthalten sind. Falls nicht, hat eine Insolvenz griechischer Unternehmen keine direkten Auswirkungen auf Sie.
Nach oben
4.) Kann der Schuldenschnitt auch deutsche Banken ins Verderben reißen?
Deutsche Banken, die griechische Staatsanleihen im Bestand haben, trifft der Schuldenschnitt direkt. Die Forderungen müssen zu 53,5 Prozent abgeschrieben werden. Dies wirkt sich auf den Gewinn und die Liquidität des jeweiligen Instituts aus. Da die Banken auf der einen Seite Forderungen abschreiben und auf der anderen Seite ihre Kapitalausstattung verbessern müssen, stecken sie in einer Zwickmühle.
Es ist allerdings nicht abzuschätzen, ob es wegen des Schuldenschnitts bei einzelnen deutschen Banken zu Problemen kommen wird. Viele deutsche Institute haben bereits im Vorfeld griechische Anleihen abgestoßen oder abgeschrieben. Sollte sich aber tatsächlich eine einzelne Bank mit griechischen Papieren "verzockt" haben und aufgrund der nun eingetretenen Schieflage sogar Insolvenz anmelden müssen, greifen für die Anleger die Einlagensicherungssysteme. Dabei handelt es sich um die gesetzliche Einlagensicherung, bei der je Institut und Person 100.000 Euro abgesichert sind, wenn sie als sogenannte Einlage - wie beispielsweise auf einem Tagesgeldkonto oder einem Festgeldkonto - angelegt sind. Die Absicherung gilt allerdings nicht für Fremdwährungskonten - es sei denn, es handelt sich um eine EU-Währung - und auch nicht für Anleihen oder Anlagezertifikate des jeweiligen Geldinstituts selbst. Zusätzlich zur gesetzlichen Einlagensicherung gibt es noch die privaten Einlagensicherungssysteme, die zum Teil deutlich höhere Eurosummen absichern. Die Genossenschaftsbanken, die Sparkassen und die privaten Banken haben jeweils ein eigenes Einlagensicherungssystem.
Eine einzelne Bankpleite könnte unser System verkraften, nicht zuletzt, da im Zweifelsfall die Bundesrepublik Deutschland als Staat über die gesetzliche Einlagensicherung hinaus regulierend eingreifen könnte. Selbst wenn mehrere Banken insolvent werden sollten, ist es unwahrscheinlich, dass der gesamte Bankensektor kollabiert. Einen "Flächenbrand", also einen Zusammenbruch des Bankensystems in der Bundesrepublik Deutschland, erwarten wir nicht.
Offen ist, ob es in Deutschland durch die Verflechtung von Banken und Versicherungen weitere Probleme geben wird. Bei einem freiwilligen Schuldenschnitt wäre bei den sogenannten Kreditausfallversicherungen der Versicherungsfall nicht eingetreten. Sollte aber der Schuldenschnitt erzwungen werden, müssten die Versicherungsleistungen erbracht werden. Versicherungen haben viel Geld bei den Banken investiert. Falls sie im Zuge der Griechenlandkrise hohe Beträge abrufen müssen, kann dies einzelne Banken zusätzlich unter Druck setzen. Um Banken nicht in Liquiditätsnöte kommen zu lassen, versorgt die EZB die Kreditwirtschaft mit preiswertem Geld.
Fazit für Verbraucher:
Kontrollieren Sie, wie Sie Ihr Geld bei deutschen Banken und Sparkassen angelegt haben und welchem Sicherungssystem Ihr Institut angeschlossen ist. Falls es sich bei Ihren Geldanlagen um Einlagen im Sinne des Gesetzes handelt, gilt die gesetzliche Einlagensicherung. Darüber hinaus gibt es verschiedene private Einlagensicherungssysteme, bei denen zwar kein Rechtsanspruch auf Entschädigung besteht, die aber bisher im Rahmen der Höchstgrenzen immer entschädigt haben. (Achtung: Die privaten Banken haben bereits beschlossen, die Grenzen in ihrem System in den nächsten Jahren deutlich zu reduzieren. Davon sind allerdings nur Kunden betroffen, die bei einer Bank mehr als 400.000 Euro in Form von Einlagen anlegen.) Ob für Sie jetzt Handlungsbedarf besteht, hängt vom Einzelfall ab.
Nach oben
5.) Droht jetzt der deutschen Wirtschaft ein Einbruch?
Die deutsche Wirtschaft in ihrer Gesamtheit sollte sich gegenüber dem jetzt vereinbarten Schuldenschnitt als robust erweisen. Zwar geht ein Großteil der deutschen Exporte in die Europäische Union, aber Griechenland spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Weder bei den Exporten noch bei den Importen ist Griechenland von strategischer Bedeutung für die deutsche Wirtschaft. Daher ist zu erwarten, dass es allenfalls zu einem leichten Rückgang der internationalen Tätigkeit kommt, nicht aber zu einer ernsthaften Krise. Die weitere Entwicklung des Euro und deren Folgen für die deutsche Wirtschaft bleiben abzuwarten. Falls der Euro an Wert verliert, profitieren die Exporteure. Gewinnt der Euro an Wert, verbilligen sich dagegen die Importe aus Staaten mit anderer Währung.
Für einzelne deutsche Unternehmen hingegen kann es anders aussehen. Das gilt insbesondere für Firmen, die intensiven Handel mit griechischen Unternehmen betreiben, die wiederum aufgrund der Ereignisse in Schwierigkeiten geraten sind. Dann könnte den hiesigen Unternehmen ein wichtiges Geschäftsfeld ganz oder teilweise wegbrechen. Dadurch könnten einige Firmen in eine Schieflage geraten und im Extremfall sogar insolvent werden.
Die Folgen wären für die in diesem Unternehmen beschäftigten Arbeitnehmer wahrscheinlich größer als für die deutschen Anleger allgemein. Verluste erleiden würden die hiesigen Anleger, die "zielsicher" Anleihen oder Aktien eines solchen Unternehmens gekauft haben. Vom Grundsatz her handelt es sich dabei aber schlicht um das Emittentenrisiko. Wer jemanden Geld leiht, muss sich darüber im Klaren sein, dass er sein Geld nicht wiedersieht, wenn derjenige, auf den er gesetzt hat, insolvent wird.
Grundsätzlich kann es für deutsche Firmen generell schwieriger werden, Kredite zu bekommen. Das hängt vor allem davon ab, wie sich der Schuldenschnitt auf das Bankensystem auswirkt. Möglich ist, dass Firmen nicht im geplanten Umfang - oder im schlimmsten Fall überhaupt nicht - investieren können, weil ihnen nun die nötigen finanziellen Mittel fehlen. Die EZB hat zwar das Bankensystem mit ausreichend Liquidität versorgt, es ist aber unsicher, ob die Banken dieses preiswerte Geld auch an die Unternehmen weitergeben.
Fazit für Verbraucher:
Prüfen Sie, ob Sie Geld bei deutschen Unternehmen angelegt haben, sei es als Direktanlage oder über den Erwerb von Fonds. Hinterfragen Sie, ob die getroffene Anlage auch nach dem Schuldenschnitt weiterhin zu Ihren individuellen Zielen passt. Ob für Sie Handlungsbedarf besteht, hängt vom Einzelfall ab.
Nach oben
6.) Kommen neue Verpflichtungen auf den deutschen Steuerzahler zu?
Der Schuldenschnitt hat erst einmal keine direkten Auswirkungen für den deutschen Steuerzahler. Die Gläubiger erklären sich zu einem freiwilligen Verzicht bereit. Da Banken auf der einen Seite Forderungen abschreiben und auf der anderen Seite ihre Kapitalausstattung verbessern müssen, stecken sie in einer Zwickmühle. Es ist denkbar, dass sie über Gebühren und Zinsen ihre Einnahmen erhöhen wollen. Dann sind die Kunden dieser Banken direkt betroffen.
Indirekt bleibt die Frage möglicher Belastungen für den deutschen Steuerzahler weiter aktuell. Die Partnerstaaten der Euro-Zone haben verschiedene Rettungsschirme aufgespannt und haben Hebel eingeführt. Deutschland selbst steht für über zweihundert Milliarden Euro gerade. Im Ernstfall müsste Deutschland zu den gegebenen Zusagen stehen. Dann würde sich die deutsche Staatsschuld erhöhen, für die dann im Endeffekt auch der deutsche Steuerzahler aufkommen muss. Gleiches gilt, falls deutsche Institute in nennenswerten Umfang gestützt werden müssen.
Deutschland muss bei solchen Szenarien damit rechnen, sich beim Schuldenstand zu verschlechtern und eventuell sogar an Bonität zu verlieren. Dies hätte zur Folge, dass Deutschland zukünftig höhere Zinsen zahlen müsste. Möglicherweise muss die Bundesrepublik auch regulierend im deutschen Bankensektor eingreifen, was sich wiederum negativ auf die Staatsverschuldung auswirken würde.
Fazit für Verbraucher:
Auch wenn der Schuldenschnitt keine direkten Auswirkungen für den deutschen Steuerzahler hat, können langfristige Auswirkungen nicht ausgeschlossen werden.
Nach oben
7.) Was bedeutet der Schuldenschnitt für mich als Anleger ganz konkret?
Es hat durchaus Sinn, regelmäßig zu überprüfen, ob Ihre aktuellen Geldanlagen weiterhin zu Ihren individuellen Zielen passen. Es hat aber keinen Sinn, aufgrund tagespolitischer Ereignisse sein Vermögen in einen vermeintlich sicheren Hafen zu bringen. Insbesondere Anleger, die ihr Vermögen weitgehend in Produkte investiert haben, für die die gesetzliche Einlagensicherung der BRD gilt, sollten auch in Anbetracht des jetzt erfolgten Schuldenschnitts Ruhe bewahren und sich nicht zu übereilten Entschlüssen verleiten lassen. Vielmehr sollten sie schauen, wo Sie Ihr Geld im Einzelnen angelegt haben und bei Bedarf punktuell nachbessern.
In den letzten Jahren lagen die Zinssätze für sichere Anlagen oft unterhalb der Inflationsrate. Die weitere Entwicklung von Zinssätzen und Inflation lässt sich nicht sicher vorhersagen, mit deutlich höheren Anlagezinsen ist aber kurzfristig nicht zu rechnen. Wer eine höhere Rendite anstrebt, muss sich darüber im Klaren sein, dass er damit auch entsprechend höhere Risiken eingeht.
Tagesgeld, Festgeld, Sparbuch und sonstige Einlagen
Hier gilt die gesetzliche Einlagensicherung. Dies bedeutet, dass Ihr Geld bis zur Höchstgrenze von 100.000 Euro pro Person und Institut abgesichert ist. Innerhalb der Höchstgrenzen ist ein Verlust nicht möglich. Darüber hinaus gibt es noch die privaten Sicherungssysteme. Allerdings kann es Wochen dauern, bis die Einlagensicherung das Geld an die Anleger auszahlt.
Fremdwährungskonten
Die deutsche gesetzliche Einlagensicherung gilt nur für Konten, die in Euro oder einer anderen EU-Währung geführt werden. Abgesichert bis zur Höchstgrenze von 100.000 Euro pro Institut und Person wären beispielsweise Konten in Euro oder britischem Pfund, nicht aber in US-Dollar oder Schweizer Franken. Prüfen Sie daher, ob für Ihre Konten die gesetzliche Einlagensicherung gilt, falls Ihre Bank insolvent wird. Das Geld, das Sie in einer fremden Währung angelegt haben, ist mehr wert, wenn der Euro im Vergleich zu dieser Währung schwächer wird. Umgekehrt ist Ihr Geld weniger wert, falls der Euro im Vergleich zu dieser Währung zulegt.
Renten- und Lebensversicherungen
Es kann passieren, dass die Überschüsse reduziert werden oder sogar ganz entfallen - falls zum Beispiel der Versicherer griechische Staatsanleihen besitzt, Kreditausfallversicherungen zahlen muss oder Anleihen von Banken besitzt, die infolge des Schuldenschnitts selbst Probleme haben. Dann bliebe den Anlegern nur der Garantiezins, dessen Höhe davon abhängt, in welchem Jahr der Vertrag abgeschlossen wurde. Falls eine Versicherung insolvent wird, greift die Sicherungseinrichtung "Protektor" ein. "Protektor" führt die Verträge fort und garantiert die Leistungen. Solange es nicht zu einem Zusammenbruch des ganzen Versicherungssystems kommt reduzieren sich schlimmstenfalls die zugesagten Leistungen um fünf Prozent.
Staatsanleihen der Bundesrepublik Deutschland
Ein Totalverlust ist hier nur möglich, falls die Bundesrepublik Deutschland den Staatsbankrott erklärt. Den erwartet niemand; deshalb gelten deutsche Staatsanleihen weiterhin als sicher. Bei vielen Bundeswertpapieren, beispielsweise bei den Bundesschatzbriefen oder den Finanzierungsschätzen, gibt es übrigens gar keinen Börsenhandel und damit auch nicht die Gefahr von Kursverlusten.
Sonstige Anleihen, Zertifikate
Bei diesen Papieren gehen Anleger das sogenannte Emittentenrisiko ein. Das bedeutet, dass das angelegte Geld verloren ist, falls der Herausgeber Pleite geht - unabhängig davon, ob der Herausgeber ein Staat, eine Bank oder ein Unternehmen ist. Daher sollten Anleger bei diesen Papieren immer sehr genau prüfen, wem sie ihr Geld anvertrauen. Im Einzelfall können Anleihen durch private Einlagensicherungssysteme abgesichert sein, beispielsweise bei den Sparkassen oder den Genossenschaftsbanken.
Fondsanlagen, Depotinhalte
Die Fondsgesellschaft verwaltet Ihre Fondsanteile, das Institut bewahrt Ihre Wertpapiere in einem Depot für Sie auf. Falls die Fondsgesellschaft Pleite geht, ist das Geld der Anleger als Sondervermögen geschützt. Falls die Bank Pleite geht, gehört Ihnen weiterhin der Inhalt Ihres Depots. In beiden Fällen laufen Sie also nicht Gefahr, dass Ihr Vermögen in die Insolvenzmasse des Instituts eingeht. Ihr Vermögen hängt aber weiterhin von den Marktentwicklungen ab. Sinken die Kurse, sind Ihre Fondsanteile oder Wertpapiere weniger wert.
Immobilien, Gold
Sachwerten wie Immobilien oder Gold wird nachgesagt, in Krisenzeiten ihren Wert zu behalten. Ob dies aber auch für die aktuelle Situation gilt, ist offen. Wie bei allen anderen Anlagen auch kann man hier nicht einfach von der Entwicklung in der Vergangenheit auf die Zukunft schließen. Für die Wertentwicklung einer Immobilie ist im Zweifel die Lage bedeutender als der Staatshaushalt in Ländern an der Peripherie Europas. Und der Goldkurs hängt nicht nur von der weiteren Entwicklung von Angebot und Nachfrage ab, sondern auch von der Entwicklung des Euro zum US-Dollar.
(Einzel-)Aktien, Beteiligungen
Hier gehen Anleger ein unternehmerisches Risiko ein. Wird das Unternehmen zahlungsunfähig, ist die Beteiligung wohl nichts mehr wert. Es ist schwer bis unmöglich, jemanden zu finden, der Ihnen Anteile an einem Unternehmen abkauft, das gerade von einem Insolvenzverwalter abgewickelt wird. Schauen Sie daher genau, an welchen Unternehmen Sie sich beteiligt haben.
Fazit für Verbraucher:
Zunächst einmal sollten die Anleger nicht in Panik verfallen. Es gelten auch jetzt die Regeln, die Anleger zu jeder Zeit beachten sollten:
- Risikostreuung durch Investition in verschiedene Anlageprodukte,
- regelmäßige Überprüfung der Anlagestrategie,
- Niedrighalten der Kosten und
- wie eingangs erwähnt: keine Panik.
Nach oben
8.) Ist auch bei anderen Euro-Staaten ein solcher Schuldenschnitt denkbar?
Die bisherigen Ereignisse zeigen, dass ein Schuldenschnitt bei einem Staat nicht nur blanke Theorie ist, sondern tatsächlich existiert - auch wenn dies früher für den einen oder anderen undenkbar gewesen wäre. Insofern lässt sich nicht ausschließen, dass künftig auch bei anderen Staaten ein Schuldenschnitt erforderlich ist. Es ist aber genauso denkbar, dass die jetzigen Aktivitäten der einzelnen Staaten den Grundstein für eine positive Entwicklung bilden und es sich bei Griechenland um einen Einzelfall handelt.
Auf den Wechselkurs des Euro hat der griechische Schuldenschnitt innerhalb der Euro-Zone keine direkten Auswirkungen für die Anleger, die ihr Vermögen ausschließlich in Euro angelegt haben. Der Euro an sich ist durch den Schuldenschnitt nicht gefährdet.
Hingegen wirken sich Änderungen des Wechselkurses auf die wirtschaftlichen Beziehungen zu Ländern außerhalb der Währungsgemeinschaft aus. Wird der Euro schwächer, können die Unternehmen in der Euro-Zone besser in die restliche Welt exportieren; dafür werden die Importe teurer. Für Urlaube außerhalb der Euro-Zone müssen die Reisenden mehr ausgeben. Wird der Euro stärker, verbilligen sich die Importe für die Unternehmen und der Urlaub im "Rest der Welt". Dafür verteuern sich die deutschen Güter und Dienstleistungen in Ländern außerhalb der Euro-Zone, so dass die Exporte zurückgehen werden.
Fazit für Verbraucher:
Verbraucher sollten die weitere Entwicklung regelmäßig beobachten und die eigenen Geldanlagen ständig im Auge behalten. Bei Investitionen in ausländischen Staatsanleihen sollte die Möglichkeit des Schuldenschnitts immer beachtet werden. Auch wenn größere Schwankungen des Euro-Kurses nicht ausgeschlossen sind, gehen wir davon aus, dass der Euro als Währung weiterhin Bestand haben wird.
Nach oben



